Auf dem Weg zu einer neuen Verkörperung der Lebensart des Einen Menschen aus Nazareth. Grundlagentexte, aktuelle Gedanken, Kommentare, Notizen zu einer möglichen anderen Welt. Von Theo Rickenbacher

  • Man kann sie schon fast nicht mehr zählen. Ist es die 13. „Überfremdungs-Initiative“, oder doch schon die 14.? Einmal mehr wird die unheilvolle Erzählung aufgebaut, wieder und wieder wird es wiederholt: Von aussen komme etwas zu uns herein, das uns bedrohe und das uns alles wegnehme. Das Böse komme von aussen und mache uns kaputt. Das wird mit schön zurechtgebogenen „Fakten“ und willkürlichen Interpretationen untermauert. Beliebtestes Mittel dabei: die Verallgemeinerung, die Pauschalisierung, die Übertreibung. Ein Feindbild wird aufgebaut.

    Mit der Erzählung vom Bösen „Aussen“ wird die Angst und die Unzufriedenheit der Bürgerinnen und Bürger erst einmal so richtig angestachelt und aufgeschaukelt. Dann wird die Unzufriedenheit gezielt auf das aufgebaute Feindbild hin gelenkt und kanalisiert. So soll verhindert werden, dass sich die Sprengraft der Unzufriedenheit gegen oben richtet, wo die Profiteure eines ausbeuterischen Systems sitzen. Die Unzufriedenheit soll sich gegen dieses konstruierte „Aussen“ richten.

    Im Hintergrund steht die Situation, dass es bei der Verteilung der Güter für Viele immer schlechter läuft. Die Zahl der Menschen, die unter der Armutsgrenze leben, ist für eine gesunde Gesellschaft zu hoch. Abstiegsängste breiten sich aus.

    Das Kernproblem unserer Gesellschaft ist die Verteilungsfrage. Wer profitiert von dem, was wir als Gesamtgesellschaft erarbeiten und wer profitiert nicht? Es gibt viel zu Viele, die unglaublich viel für sich einheimsen. Sie leisten dafür aber nicht mehr oder nur unwesentlich mehr als andere. Es fällt ihnen übermässig viel zu, weil das System so organisiert ist. Sie sind die Schmarotzer, die in ungebührlicher Weise oben von dem abschöpfen, was die Gesellschaft als gesamtes Gefüge leistet.

    Was die Gesellschaft leistet, entsteht aus einem dynamischen Zusammenspiel von Fürsorgeleistungen (Care-Leistungen, vor allem für die ersten und für die letzten rund 20 Lebensjahre), von Bildung und Forschung, von kulturellen Leistungen und von wirtschaftlichen Prozessen in Produktion und in Dienstleistung. Die dadurch generierten Werte werden, unterstützt durch Automatisierung und Energie-Einsatz, immer grösser. Sie haben gigantische Ausmasse erreicht.

    Letztlich wird nun aber von den wirtschaftlich Mächtigen bestimmt, was die oben abschöpfen und was die unten erhalten und unter welchen Bedingungen sie daran Anteil haben können. Demokratie hin oder her. Die Mächtigen halten die unten unter Kontrolle mit dem Glaubenssatz: Der Wirtschaft muss es gut gehen, ihr muss alles untergeordnet werden, ihr muss geopfert werden. Denn wenn es der Wirtschaft schlecht geht, hast DU auch nichts. Also füge dich und halte dich still.

    Was die Wirtschaft den Massen übrig lässt, reicht aber immer weniger für ein gutes Leben. Für die Menschen im globalen Süden schon gar nicht, ihnen fällt fast nichts zu. Aber auch nicht für die Menschen im globalen Norden: Hohe Mietkosten, hohe Krankenkassenprämien, die Kaufkraft wird immer kleiner. Erwerbsarbeit wird immer anforderungsreicher, stressiger, mit Platz nur noch für die 120%-Leistungsfähigen. Care-Aufgaben werden nicht honoriert, sie sind ungleich verteilt (Frauen leisten einen viel zu hohen Anteil) und sie bringen an den Rand der Kräfte. Die Lebensqualität ist im Eimer.

    Dazu kommt, dass der Planet Erde als Lebensgrundlage stark bedroht ist. Die Lebensbedingungen verändern sich. Wegen Hitze und Meeresanstieg werden Gebiete unbewohnbar, die Biodiversität nimmt rapide ab. Die Möglichkeiten zur genügenden Nahrungsproduktion sind akut gefährdet. Die Ressourcen werden stärker genutzt als möglich wäre. Luft, Gewässer und Böden sind immer stärker mit Schadstoffen belastet. Es werden gewaltige Anpassungsleistungen nötig sein. Je später sie beginnen, desto grösser werden sie. Sie sind schon bald nicht mehr zu bewältigen.

    Eigentlich müssten die Menschen in unserer Gesellschaft schon längst aufstehen. Rebellieren. Das System stürzen. Einige fangen an, sich zu wehren. Sie fordern einen System-Wandel. Aber sie werden immer weniger gehört.

    Damit ein Aufstand nicht plötzlich Kraft gewinnt und zur Bedrohung wird für die wirtschaftlich Mächtigen und die Möchtegern-Mitmächtigen, wird seit Jahrzehnten und weltweit überall die Erzählung aufgebaut: Die Menschen von aussen sind eine Bedrohung für euch, sie nehmen euch alles weg.

    Auf dieser Erzählung bauen sie ein neues Machtsystem auf. Basis ist die Definitionsmacht über Zugehörigkeit und Ausschluss, über Gut und Böse. Was als „Eigenes“ definiert ist, was als in der nationalen und kulturellen Tradition verwurzelt angesehen wird, das ist gut. Das Fremde, das Andere, was als unschweizerisch (oder undeutsch oder unamerikanisch, oder un-….) definiert wird, das ist böse. Was dabei als das Eigene, Ursprüngliche, Gute angesehen wird, das ist sehr selektiv und willkürlich.

    Wer sich der Definition von innen und aussen anschliesst, gehört zum „Innen“. Die Teilhabe an der Macht steht in Aussicht, mit allen Segnungen des Dazugehörens. Sofern man schön brav pariert. Das Machtsystem ist eine „Günstlingswirtschaft“.

    Aber Achtung: Das Machtsystem ist willkürlich. Die Mächtigen spielen mit der Definitionsmacht. Sie haben es in der Hand, jemanden oder bestimmte Gruppierungen rausfallen zu lassen und als das Böse zu erklären. Die Definitionsmacht ist ein Instrument der Disziplinierung. Sie kann sich gegen jeden wenden.

    Und Achtung, und hier wird es unerträglich: Das Machtsystem kennt keinen Respekt vor dem Menschen. Der Mensch ist nur Objekt. Er ist dienlich oder nicht. Der Mensch ist nicht respektiert als gleichwertiges Gegenüber. Er ist nicht Subjekt seiner selbst, gewürdigt zu leben wie jeder Mensch. Es gibt Einteilungen, Schubladen, Klassifizierungen. Das sind die Machtinstrumente. Wehe, wenn du nicht zur Klasse gehörst, die über allen anderen steht, oder wenn du plötzlich herausfällst.

    Das Machtsystem, das auf einem Innen und einem Aussen basiert, ist ein durch und durch ideologisches System, und es ist ein zutiefst menschenverachtendes System.

    Es ist umstritten, wie schädlich die neuste Überfremdungsinitiative ist. In der Diskussion wird bei der Beurteilung der Schädlichkeit meist nur auf die Wirtschaft geschaut und welchen Einfluss sie auf den Wohlstand hat, auf die in der Wirtschaft benötigten Fachkräfte, auf die AHV, auf das Wirtschaftswachstum.

    Die eigentliche Schädlichkeit der Initiative sehe ich nicht in den wirtschaftlichen Folgen, die sie vielleicht oder sehr wahrscheinlich haben wird.

    Die eigentliche Schädlichkeit sehe ich darin, dass sie die Erzählung „Das Böse kommt von Aussen“ immer salonfähiger macht und immer tiefer in die Gesellschaft trägt. Die Gesellschaft untersteht seit Jahrzehnten einer Art „Gehirnwäsche“. Die Erzählung vom Guten Innen (mit einigen Ausnahmen natürlich) und vom bösen Aussen (natürlich auch mit einigen Ausnahmen) ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Sie hat weit herum die Herzen vergiftet. Mitgefühl und Menschlichkeit werden lächerlich gemacht. Härte und Ausschluss wird zum Standard erhoben. Gewalt gegen Einzelne und gegen ganze Gruppierungen werden legitimiert als notwendige Abwehr einer „Bedrohung“.

    Die Sichtweise vom guten Innen und vom bösen Aussen hat sich in den Herzen festgekrallt. Wer diese Sicht übernimmt, unterstellt sich damit aber den Mächtigen und ihrer Ideologie, ihrer Erzählung. Er wird dadurch zum Komplizen ihrer Macht. Das Machtsystem zur Kontrolle der Massen kommt ins Funktionieren.

    Und noch schlimmer: die Übernahme des Märchens vom guten Innen und vom Bösen aussen nimmt den Menschen einen wichtigen Teil der Kraft für den Kampf gegen oben. Es nimmt die Kraft weg, als eigenständige wirtschaftliche und gesellschaftliche Subjekte gemeinschaftlich einen selbstbestimmten, unabhängigen Weg zu erkämpfen. Es verbaut den Weg zu wirklicher Autonomie und Souveränität.

    Die 10 Millionen Initiative bringt den Menschen in ihren enger gewordenen Lebensmöglichkeiten null und nichts. Sie verschärft und zementiert nur Machtverhältnisse. Die Initiative ist ganz klar abzulehnen.

    Dann aber bitte nicht weitergehen wie bisher. Denn mit „weiter wie bisher“ sind auch keine Probleme gelöst.

    Der Zeitpunkt ist da, wo dringend über die Verteilungsfrage gesprochen werden muss. Die Verteilungsfrage muss neu geregelt werden.

    Es braucht einen neuen Gesellschaftsvertrag. Einen Vertrag darüber, wie die der Gesamtgesellschaft anvertrauten Güter und wie die daraus erarbeiteten Werte besser verteilt werden an alle daran Beteiligten:

    • an die Erbringerinnen von Fürsorgeleistungen (Care)
    • an die Erbringenden von Bildung und von kulturellen Leistungen
    • an die Erbringenden von wirtschaftlichen Leistungen in Produktion und Dienstleistung
    • sowie an diejenigen Menschen, die auf Fürsorgeleistungen angewiesen sind, in Lebensphasen in den ersten Jahren des Lebens, in der Mitte des Lebens oder in den letzten Jahren des Lebens.

    Es braucht ein Menschen-zentriertes ökonomisches System, ein Sorge-zentriertes ökonomisches System1, ein Bildungs- und Kultur-zentriertes ökonomisches System. Ein einseitig Wachstums- und Gewinn-orientiertes ökonomisches System lässt zu viele Menschen als Verlierende zurück. Es ist ein unkluges und schädliches Haushalten.

    Die SVP will sicher keinen neuen Gesellschaftsvertrag. Sie möchte den bestehenden zwischen den Generationen und zwischen den starken und den schwachen in der Gesellschaft am liebsten aufheben. Aber FDP und Mitte sollten vernünftig sein und offen sein für einen neuen Gesellschaftsvertrag, zusammen mit den sozial und ökologisch ausgerichteten Parteien. Ein Neues Miteinander muss gefunden werden. Gut schweizerisch. Abseits vom Links-Rechts-Schema. Zum Gewinn für alle, zum Guten Leben für alle. Denn es ist genug da für alle.

    1. siehe auch: „Für eine Care-zentrierte Wirtschaftspolitik“ Feline Tecklenburg, Liska Beulshausen, Amelie Fischer, im Wirtschaftsmagazin Surplus, 1. Juni 2026 ↩︎
  • Atomkraft — absurd, verbrecherisch, ineffizient

    Sie ist wieder da, die Diskussion um die Atomkraftwerke. Man sollte technologieoffen sein. Um zukünftige Stromengpässe zu verhindern, sollte man auch wieder AKWs bauen dürfen.

    Die uralte Dampfturbinen-Technologie

    Was heisst hier „technologieoffen“? Die Technologie für die eigentliche Stromerzeugung, die in den AKWs angewendet wird, ist uralt. Es ist die Dynamo-Technologie, die schon seit langem verwendet wird, zum Beispiel für das Licht am Fahrrad. Nur wird der Dynamo respektive der Generator beim AKW nicht durch Muskelkraft angetrieben, sondern durch eine Dampfturbine. Für die Erzeugung des Wasserdampfes zum Antrieb der Turbine wird nun aber ein absolut widersinniges, absurdes Verfahren angewendet: die Spaltung von Atomkernen.

    Dampferzeugung durch erdfremden Produktionsprozess

    Es ist ein Vorgang, der erdfremd und lebensunverträglich ist. Eigentlich ist es ein Produktionsvorgang: Es wird Material produziert, das es so auf der Erde nicht gibt. Das Produkt ist nicht nur absolut unbrauchbar, sondern es ist von höchster Gefährlichkeit. Man muss es isolieren, weit weg schliessen. Vergraben auf Jahrtausende hin. Über hunderte von Generationen hinweg hüten, damit es nicht mit Leben in Berührung kommt und damit es seine zerstörerische Wirkung nicht entfaltet.

    Man produziert dieses Höllen-Material, weil beim Produktionsprozess eine (ebenfalls erdfremde und lebensunverträgliche) gewaltige Hitze entsteht. In Hiroshima und Nagasaki wurde diese Hitze bewusst freigesetzt und sie zeigte ihr riesiges zerstörerisches Potential.

    Punktuelle Nutzung eines Bruchteils der beim Produktionsprozess anfallenden Hitze.

    Diese gewaltige Hitze, wie sie sonst nur auf der Sonne in einer Entfernung von rund 150 Millionen Kilometern vorkommt, versucht man nun zu „zähmen“, herunter zu kühlen, um mit einem kleinen, erdverträglichen und lebensverträglichen Teil davon die Dampfturbine anzutreiben. Es ist zwar eindrücklich, dass man das kann, jedenfalls wenn nicht ein Erdbeben kommt wie in Fukushima oder ein Unfall passiert wie in Tschernobyl und an vielen anderen Orten. Aber ist alles, was möglich ist, auch sinnvoll? Man reduziert die Hitze also zu einem vergleichsweise kleinen „Puff“, den man während einigen Jahre am Laufen erhält – vielleicht während 25 Jahren oder wenn man es hinzieht geht es vielleicht auch 50 oder 60 oder 80 Jahre – und dafür setzt man eine solche Maschinerie des Kühlens und Abschottens in Gang und bürdet den nächsten Generationen ein Produkt zum Hüten auf, das für ihr Leben eine dauernde potentielle Gefahr ist.

    Getrieben vom Energiewahn ist auch das Verrückteste gut.

    Wie blöd muss man sein, so etwas zu tun! Wie kurzsichtig! Wie egoistisch! Wir sind nur auf das Jetzt bezogen, auf diesen Moment. Wir sind geblendet vom Energiewahn, vom Wahn, dass einzig unbegrenzte Verfügbarkeit von immer mehr Energie uns die Lebensqualität gewährleisten kann. 

    Fazit

    AKWs sind vom gesunden Menschenverstand aus gesehen eine absurde Idee. Was macht man da, um kurzzeitig etwas zu gewinnen, das man als nützlich und notwendig einstuft?
    AKWs sind gegenüber den nachfolgenden Generationen verbrecherisch. Sie sind eine unzumutbare Bürde, es ist ein unverantwortliches, blind-egoistisches Verhalten. 
    AKWs sind vom Wirksamkeitsgrad her absolut ineffizient. Was wird da in Gang gesetzt an gewaltigen Vorgängen? Wirklich genutzt wird nur punktuell und  kurzzeitig ein Bruchteil vom ganzen Prozess, und dieser hat aber Folgen, die über Jahrtausende andauern.

    Es geht um Energiehoheit. Es geht um Verfügungsmacht. Es geht um Nukleokratie

    Warum wird die Notwendigkeit von AKWs trotzdem postuliert? Meine Antwort: Es geht um Macht. Es geht um die Energie-Hoheit. Es geht um die Frage, wer die Verfügungsmacht über dieses die Wirtschaft und das gesellschaftliche Leben steuernde Element hat. Bei dezentralen, lokal organisierten Gemeinschaften, die ihre Energie  nachhaltig, mit erneuerbaren Mitteln produzieren, mit Sonne, Wind und Wasser, da gehört die Energie den Menschen. Sie sind – ein Stück weit wenigstens – autonom. Mit Atomanlagen gewinnen die wirtschaftlich Mächtigen die Hoheit zurück, die ihnen durch den Bedeutungsverlust der fossilen Energien zu entgleiten droht. Mit ihrem Geld können sie eine neue zentralisierte Energieproduktion einrichten. Sie haben damit weiter die Verfügungsmacht über die Energie und sie haben die Steuerungsmacht über die Gesellschaft. Um das geht es bei der Forderung nach neuen AKWs. Die Fossilokratie (Claudia Kemfert, Energieökonomin) ist stark angefochten. Sie soll durch ein Stück Nukleokratie ergänzt werden (Begriffsverwendung in Anlehnung an den Historiker Fabian Lüscher in: Schöpfer einer strahlenden Zukunft. Lebenswelten der sowjetischen „Nukleokratie“ im internationalen Umfeld). Zu was für einem Preis, das ist für die wirtschaftlich Mächtigen irrelevant. Denn der Preis wird ja nicht von ihnen bezahlt, sondern von allen anderen, vor allem aber von den zukünftigen Generationen. 

    Kolonialisierung der Zukunft

    Diese Bemächtigung der zukünftigen Generationen ist Ausdruck einer durch und durch kolonialistischen Grundhaltung. Alles was ist, ist da zur Ausbeutung. Auch die Zukunft. Diese ausbeuterische Kolonialisierung sogar noch der Zukunft darf nicht sein.

    Zu den Gedanken in diesem Beitrag habe ich Inspirationen von meinem Bruder Hans Rickenbacher aufgenommen. Er war in den 80er und 90er Jahren für die SP im Berner Kantonsparlament (Grossrat) und war massgeblich beteiligt, dass der Kanton Bern damals überraschenderweise und schon sehr früh den Ausstieg aus der Atomenergie beschloss.

  • Der Beitrag der christlich-jüdischen Tradition für eine erneuerte Gesellschaft

    Die christlich-jüdischen Tradition kann entscheidende Beiträge liefern für eine neue Gesellschaft. Das bisherige System ist dabei, sich selbst ad absurdum zu führen. Es zeitigt immer schrecklichere und zerstörerische Wirkungen auf die Menschen und auf den Planeten. Die christlich-jüdische Tradition hat im Laufe der Menschheitsgeschichte schon mehrfach grundlegende Entwicklungen angestossen, welche zu Freiheit, Mündigkeit und zu einem gemeinschaftlich getragenen Guten Leben geführt haben. Sie kann auch jetzt in dieser kritischen Zeit tragende Impulse geben auf dem Weg aus der derzeitigen Sackgasse.

    • Jedes menschliche Individuum hat Teil am Geschenk des Lebens, es hat Teil an einer Güte, welche die Welt durchdringt, es ist gewürdigt zum Teilhaben an einer grossen Fülle, am Geschenk eines unablässigen Werdens. Diese Teilhabe macht die Menschen zu Gleich-Würdigen und zu Gleich-Wertigen.
    • Jedes menschliche Individuum ist gewürdigt, teilzunehmen am Projekt der Entwicklung und Gestaltung des guten Lebens, es hat Potential und Ressourcen, zum Guten Leben beizutragen. Jedes menschliche Individuum ist ein selbstbestimmt handelndes Subjekt, nicht ein von aussen gesteuertes Objekt.
    • Jedes menschliche Individuum ist fähig zur Gemeinschaft und auf Gemeinschaft angelegt. Jedes menschliche Individuum ist fähig, andere zu beschenken aus der grossen Güte. Gemeinsam sind die Menschen unterwegs mit der grossen Güte, als sich ergänzende vielfältige Gemeinschaft und als unüberwindbare Kraft.
    • Die Hoffnung ist zentral in der jüdisch-christliche Tradition. Grundlegende Überzeugung ist, dass das der Welt zugrunde liegende unablässige gütige Schenken nie aufhört und immer wieder neue Lebensmöglichkeiten schafft. Güte und Liebe sind unbezwingbar und schwingen zuletzt immer wieder obenauf. Sie sind stärker als Hass, Unrecht und Zerstörung. Güte und Liebe geben den Menschen Recht. Der Zugang zur ewigen Güte erfolgt ohne Vorbedingung, ohne einen Verdienst vorweisen zu müssen. Güte und Liebe schaffen Leben. Die Menschen haben Teil am immerwährenden Werden, das der Welt zugrunde liegt und das nie aufhört. Zwar ist auch das zu Ende gehen, das bedrängt sein immer da. Das Leben und das Gute sind fragil, so fragil, dass es (zu) oft kaum zum Aushalten ist. Aber das Werden ist stärker, es überwindet und es bleibt. Das Urbild für das nie aufhörende Werden ist in der christlichen Tradition die Auferstehung des Christus. Er hat sich stärker erwiesen als die herrschenden und terrorisierenden Mächte. In der jüdischen Tradition ist das Urbild für das nie aufhörende Werden die Befreiung aus der Knechtschaft in Ägypten und der Einzug in ein Land des guten Lebens und des Friedens (Schalom).

    Die Modelle sind vielfältig, und sie seien hier nur kurz stichwortartig aufgeführt. Jedes dieser Modelle wäre es Wert, in einem ausführlichen Artikel gewürdigt zu werden.

    • Die Bürgerrechtsbewegung um Martin Luther King: Das einfache, aber wirkungsvolle Konzept des gewaltlosen Widerstandes im Busstreik von Montgomery lautete: „Entschiedene Nicht-Kooperation durch Selbstorganisation“.
    • Nelson Mandela. Ein einfaches Prinzip leitete ihn durch alles hindurch. Es war in seiner religiösen Erfahrung begründet und in seinem christlichen Menschenbild: „Ein Mensch, eine Stimme“.
    • Die Befreiungstheologie in Lateinamerika, die Basisgemeinden.
    • Der Religiöse Sozialismus ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts.
    • Die Bekennende Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus.
    • Die Armen von Lyon um den Erneuerer Petrus Waldes in vorreformatorischer Zeit.
    • Zum Teil die Reformation um Martin Luther und um viele Andere.

    Die wirkungsmächtigste emanzipatorische Kraft in der Menschheitsgeschichte ist das jüdisch-christliche Gedankengut und die daraus gewachsene Lebensführung. Das jüdisch-christliche Gedankengut trägt diese emanzipatorische Kraft immer noch in sich, und das kann heute und in Zukunft die Welt wieder neu prägen und verändern.

    Eine neue geistige Grundlage ist für die zukünftige gesellschaftliche Entwicklung dringend notwendig. Denn die Ursache der heutigen multipolaren Menschheitskrise ist geistiger Natur.1 Sie liegt im aktuellen Welt- und Menschenverständnis, das religions-ähnliche Dimensionen angenommen hat. Es ist ein materialistisches Weltbild, welches das „Heil“ vom Markt, vom Wettbewerb, von zu erbringender Leistung erwartet. Dinge, denen alles geopfert werden muss, und bei deren Missachtung selbstverschuldetes Unheil folgt. Es ist das Weltbild, mit dem die Mächtigen und Habenden ihre Macht und ihren Reichtum legitimieren und zementieren. Sie gewinnen ihre Anhänger durch das Verleihen von effektiver oder versprochener Teilhabe an Macht und Reichtum, verlangen dafür aber Loyalität, Kollaboration und Unterwerfung. Es ist ein die Menschen knechtendes Weltbild.

    Diesem Weltbild muss ein anderes Weltbild entgegengesetzt werden, ein Weltbild von unten, von der Mehrheit. Diese Mehrheit ist stark. Die Religion des Marktes, des Wettbewerbes und der Leistung muss ersetzt werden durch die Religion, welche die Menschen sieht

    1. Mehr dazu in einem nächsten Beitrag ↩︎

  • Karfreitag

    In seinem Tod hat Jesus, der Nazarener, sein widerständiges System des Lebens aufgerichtet.

    Ein Mensch wird schikaniert, gefoltert und öffentlich hingerichtet. Grundlos. Er ist den Mächtigen ein Dorn im Auge. Er stört sie. Er stellt ihre Macht in Frage. Zwar gewaltlos, aber er ist für die Mächtigen gefährlich, weil er bei vielen Menschen an Einfluss gewinnt. Das muss unterbunden werden. Ein unbarmherziges System der Unterdrückung und des Todes trifft ihn.

    Dieses gleiche System der Unterdrückung und des Todes spielt sich in unseren Tagen wieder gewaltig auf. Es bestimmt im globalen Ausmass sowohl Politik als auch Wirtschaft immer stärker. Es wird gezeigt, wer der Stärkere ist, sowohl militärisch als auch wirtschaftlich. Wer sich nicht unterwirft, wer nicht pariert, wer den Mächtigen nicht zudient, der/die wird sanktioniert oder noch schlimmer: der/die wird eliminiert.

    Das System der Knechtschaft und des Todes spielt sich mächtig auf. Es wird international und innerhalb von viel zu vielen Ländern das Bestimmende. Deshalb werden Menschen schikaniert, gequält, das Leben wird ihnen zu Hölle gemacht. Und überall ist Tod. Viel zu viel Tod.

    Die Person, die am Karfreitag starb, ist eine dieser Personen, die bis heute gnadenlos vom System der Unterdrückung und des Todes getroffen werden.

    Die Person, die am Karfreitag gestorben ist, ist solidarisch mit allen Geschundenen, Missbrauchten und Entwürdigten.

    Diese eine Person verkörpert aber mehr als nur Solidarität mit den Geschundenen. Sie verkörpert auch

    Widerstand und Hoffnung.

    Im Augenblick der Solidarisierung hat diese Person gleichzeitig mit seinem Ende auch das aufgerichtet, was letztlich stärker ist als jedes System der Unterdrückung und des Todes. Sie hat das System des Lebens aufgerichtet.

    Der Existenz dieser Welt liegt ein Wille zum Leben zugrunde. Wenn der nicht da wäre gäbe es nichts. Es gäbe kein Leben, keine Schönheit, keine Vielfalt. In der Welt ist ein Werden und Wachsen angelegt, welches das Leben immer wieder neu zur Entfaltung bringt. Der Wille zum Leben kann zwar abgeklemmt und zurückgedrängt werden, aber er kann nicht ausgelöscht werden. Nichts und Niemand bringt das weg, diesen Willen zum Leben und diese Kraft zum Werden.

    Der Wille zum Leben findet da besonders Raum und er kommt da zum Durchbruch, wo das eine Leben für das andere Leben da ist. Leben bricht auf, wo es gemeinsam gesucht wird, wo es gemeinsam gewollt wird. Leben erblüht, wo das eine Leben zugunsten des anderen Lebens auch einmal zurück steht. Leben entwickelt sich MIT dem anderem Leben zusammen, und es entwickelt sich oft auch gerade DURCH das andere Leben, das etwas von sich dran gibt. Jedes Leben fusst auf anderem Leben. Ohne das andere Leben ist Leben unmöglich. Wir erfahren das beim Essen. Der Salatkopf und die Kartoffel sind nicht mehr, wenn sie uns mit Nährstoffen versorgt haben. Wir erfahren es in der Fürsorge, auf die jeder Mensch an vielen Punkten seines Lebensweges zwingend angewiesen ist. Die Mutter gibt etwas von ihrer Zeit weg, etwas von ihrer Schaffenskraft und etwas von ihrer Nachtruhe, wenn sie ihr Baby stillt. Der demente Unternehmer braucht ein Stück Lebenszeit der Pflegefachperson, die ihn betreut.

    Das Prinzip des Lebens durch das andere Leben, das Prinzip des Lebens durch das Füreinander und das Miteinander, dieses Prinzip hat der Mensch aufgerichtet, der an Karfreitag gestorben ist.

    Er hat es aufgerichtet durch seine Bereitschaft, den Weg in den Tod zu gehen, in Solidarität mit allen Geschundenen. Im Moment seines Sterbens hat er das Prinzip des Lebens durch das Füreinander aufgerichtet

    als das System, das letztlich über allem steht und das alles überdauert.

    Er hat es aufgerichtet auf der Basis des Willens zum Leben, der allem zugrunde liegt und im Vertrauen auf die Kraft des Werdens, die unablässig alles durchdringt. Das an Karfreitag aufgerichtete System des Lebens ist stärker als das System der Unterdrückung und des Todes. Es führt in die Freiheit. Es führt in das Land der Autonomie und der Teilhabe. Gemeinsam ist der Einzug in dieses Land möglich! Gewaltfrei, aber machtvoll!

    Und das System des Todes, das so mächtige, wo bleibt es? Das System des Todes kennt nur Tod, es KANN nur Tod. Dem System des Todes entschwindet letztlich das Leben, das es gewaltsam erringen will. Das Leben kann man eben nicht HABEN. Das Leben kann nur SEIN, es kann nur werden. Wer es gewaltsam erkämpfen will, dem zerrinnt es in den Händen. Es bleibt nur noch Tod.

    Die Solidarität des Einen mit den Drangsalierten, den Geknechteten, den Entrechteten, den Unterdrückten und den Leidenden hat den Weg aufgezeigt, wo das Leben ist und wo Freiheit ist: Im Miteinander und im Füreinander. Und im Vertrauen auf den Willen zum Leben, der die Welt durchdringt, im Vertrauen auf die Kraft des Werdens, die Leben aufbrechen lässt.

    Der Tod des einen Menschen an Karfreitag war Tod. Ja. Mit allem Schrecken. Aber gleichzeitig war er der Anfangspunkt für einen Tanz ins Leben. Wir sind eingeladen, den Anfang des Tanzes aufzunehmen. Erste Tanzschritte zu wagen. Den Tanz ins Leben beginnen. Freudig. Trotzig. Widerständig. Gemeinschaftlich. Gegen alle Systeme der Unterdrückung und des Todes.

  • Spielfalt

    Unser Projekt „Spielfalt“, Café mit Indoor-Spielpark für Erwachsene und mit Chnöpfli-Zmittag.

    Vom April 2011 bis zum April 2016 führten meine Frau und ich den Begegnungsort „Spielfalt“, ein Café mit einem Indoor-Spielpark für Erwachsene. Wir führten den Betrieb in Bern in der Nähe des Eigerplatzes, in einem Gewerberaum an der Mühlemattstrasse 53. An drei Wochentagen (Mittwoch bis Freitag) servierten wir dort über die Mittagszeit Chnöpfli-Spezialitäten. Sonst war das Lokal für Gruppenanlässe geöffnet (Geburtstage, Familienfeiern, Team-Anlässe).

    Nachfolgend ein Link zur Beschreibung des Projektes und zu einer ausführlichen Auswertung.

  • Die religiös-emanzipatorische Gestaltungskraft neu ins Spiel bringen.

    Die Gesellschaft hat heute, im ersten Viertel des 21. Jahrhunderts, ein riesiges Grundproblem: Der Kapitalismus kann die Bedürfnisse „des kleinen Mannes“, „der kleinen Frau“, der besitzlosen Bevölkerung, der Arbeiterschaft, nicht mehr bedienen. Und schon gar nicht kann es den Bedürfnissen der Menschen in der südlichen Hemisphäre gerecht werden. Es klafft ein riesiges unausgefülltes, zerstörerisches, lebensvernichtendes Loch.

    Der Grund dafür liegt im Wesen des Kapitalismus, wie er heute dominant verstanden wird. Dieser hat das Primat des Geldes, des Gewinns und des Wachstums. Dazu fusst er auf dem Prinzip des Wettbewerbs und der Durchsetzung des Stärkeren. Der Stärkere ist immer der Besitzende. Der Stärkere ist der, oben sitzt und der vom System profitiert.

    Diese den Kapitalismus treibenden Werte haben autoritäres, zwingendes Gewicht. Kapitalismus ist ein in sich autoritäres System geworden.

    In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hatte der Kapitalismus ein wenig ein anderes Gesicht. Es war die soziale Marktwirtschaft, die auf eine menschengerechte Verteilung der vorhandenen und geschaffenen Werte achtete. Die arbeitende, besitzlose Bevölkerung und die Schwachen in der Gesellschaft (die nicht, noch nicht, oder nicht mehr voll leistungsfähigen Menschen) sollen auch Anteil an den Werten haben.

    Das Primat des Menschen, das Primat des Menschen-dienlichen ist im Kapitalismus aber in den Hintergrund gerückt. Was dem Menschen dient, was der Mensch braucht, muss in immer stärkerem Mass den „Heiligtümern“ des Kapitalismus (Profit, Wachstum, Wettbewerb, Durchsetzung des Stärkeren) geopfert werden. Die Opfer werden mit Religion-ähnlichen Absolutismen eingefordert.

    Der Kapitalismus „rettet“ sich derzeit in eine neue Form, in der er sich als im Kern autoritäres System halten kann: Er kleidet sich in das Gewand des National-Autoritären, das „dem kleinen Mann“ Anteil an den Gegebenen und geschaffenen Werten verspricht, einerseits unter der Bedingung der durch die Herrschenden definierten Konformität und andererseits durch Ausschluss-Mechanismen gegenüber den als nicht-konform Deklarierten. Diese national-autoritäre Form des Kapitalismus verspricht, „dem kleinen Mann“ mehr zu geben als die derzeit dominierende neoliberale Ausformung des Kapitalismus. Aber diese Form des Kapitalismus hat einen hohen Preis: das Nichtkonforme wird geopfert. Anteil gibt es nur durch Anpassung, was letztlich zu Unfreiheit führt und was zudem der Korruption („Arschkriecherei“) Tür und Tor öffnet. Die Rechte des Individuums werden den Rechten geopfert, die das System des national-autoritären einfordert. Menschenrechte und Völkerrechte werden dem „Heiligtum“ der national deklarierten Ideologie und Weltanschauung geopfert.

    Dem gescheiterten Weg des neoliberal-autoritären Kapitalismus und dem menschenfeindlichen Weg des national-autoritären Kapitalismus muss EIN DRITTER WEG entgegen gestellt werden: Ein an den Menschen orientiertes, selbstbestimmtes, gemeinschaftlich entwickeltes Haushalten mit den in der Welt vorgegebenen und durch das menschliche Schaffen gewordenen Gütern und Werten.

    Dieses neue Haushalten braucht eine neue nicht-autoritäre ideelle Grundlage. Den religionsähnlichen Ideologien, die Opfer verlangen und knechtend wirken, muss ein die Menschen befreiendes, emanzipierendes Wertsystem entgegen gesetzt werden, ein Wertsystem, das die Menschen zu Teilhabenden und Beteiligten macht.

    Die befreienden, emanzipierenden, zu Teilhabenden machenden Aspekte sind im Kern jeder Religion enthalten. Sie traten und treten in den unterschiedlichen Zeitepochen in unterschiedlicher Stärke und in unterschiedlichen Formen in Erscheinung. Sie sind immer vermischt mit anderen, autoritären, die Menschen fremdbestimmenden Aspekten der Religion. Zwischen diesen beiden Aspekten der Religion besteht ein Kampf quer durch alle Religionen. Meist dominiert (leider) der autoritäre Typus, der von den Herrschenden instrumentalisiert wird. Die emanzipatorischen Teile der Religion haben aber eine immanente Sprengkraft in sich, die immer wieder zum Durchbruch kommt und zwingend zum Durchbruch kommen muss.

    Für mich sind die befreienden Aspekte der Religion am eindrücklichsten in der Person des Jesus von Nazareth zu finden. Dann wieder, zumindest in einigen wichtigen Aspekten, in der Reformationszeit. Ich sehe dasselbe in der methodistischen Bewegung um die Brüder Wesley, in neuerer Zeit in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung um Martin Luther King und in der Person von Nelson Mandela.

    Ich sehe viel Emanzipatorisches im Buddhismus. Auch der Islam trägt die Unmittelbarkeit des Zugangs zum Göttlichen für das einzelne Individuum in sich, es wird zur Zeit vom politisch instrumentalisierten Islam in der Wahrnehmung stark verdeckt. Das Judentum hat als Ursprungsgeschichte die Geschichte von der Befreiung aus der Knechtschaft und die Geschichte des Weges hin zu einem solidarisch und gemeinschaftlich gestalteten Leben im Schalom und es trägt den Kern des Emanzipatorischen ebenfalls stark in sich.

    Der dritte Weg braucht eine ideele Grundlage, welche die Menschen zu Teilhabenden und Teilnehmenden macht, zu Menschen, die selbstbestimmt und gemeinschaftlich ausziehen aus den Knechtschaften, in das Land des Lebens im friedlichen Miteinander.

    Das Potential der emanzipatorischen Elemente in den Religionen muss fruchtbar gemacht werden. Es ist das Potential, das einem dritten Weg Kraft geben kann, das einem dritten Weg zum Durchbruch verhelfen kann und das neues System des menschen-dienlichen Haushaltens tragen kann.

    Der dritte Weg ist auch deshalb so wichtig, weil die autoritären Formen des Kapitalismus vom Wesen her auch den Krieg in sich tragen. Der Kampf jeder gegen jeden, die Dominanz des Stärkeren, die Höherstellung der eigenen Nation mit der Geringschätzung der anderen Nationen, die Sicherung der eigenen Autorität, das ist im Kern Krieg. Unter dem Vorwand der eigenen Sicherheit wird daraus schnell die bewaffnete Auseinandersetzung oder der Wirtschaftskrieg, wie aktuell zu sehen ist.

    Der dritte Weg ist im Weiteren absolut wichtig, ja äusserst DRINGLICH, weil die zwei anderen Wege, der noeliberal-kapitalistische und der national-autoritär-kapitalistische, auf der Basis von AUSBEUTUNG beruhen: Ausbeutung und Plünderung der planetaren Ressourcen, Zerstörung der Lebensgrundlage der Menschen, dramatische Veränderung der Lebensbedingungen, der Ernährungsmöglichkeiten, Ausbeutung der Menschen vor allem in der südlichen Hemisphäre, Ausbeutung der Schwachen in der Gesellschaft weltweit. Es ist höchste Zeit für einen NEUEN WEG. Es ist höchste Zeit für die ABKEHR von alten Wegen. Es ist höchste Zeit für die UMKEHR, für das AUFSTEHEN und für den AUFBRUCH zu Neuem.

    im Januar 2026, Theo Rickenbacher