„Atomkraft“ — absurd, verbrecherisch, ineffizient

Sie ist wieder da, die Diskussion um die Atomkraftwerke. Man sollte technologieoffen sein. Um zukünftige Stromengpässe zu verhindern, sollte man auch wieder AKWs bauen dürfen.

Die uralte Dampfturbinen-Technologie

Was heisst hier „technologieoffen“? Die Technologie für die Stromerzeugung, die in den AKWs angewendet wird, ist uralt. Es ist eigentlich die Dynamo-Technologie, die schon seit langem verwendet wird, zum Beispiel für das Licht am Fahrrad. Nur wird der Dynamo respektive der Generator beim AKW nicht durch Muskelkraft angetrieben, sondern durch eine Dampfturbine. Für die Erzeugung des Wasserdampfes zum Antrieb der Turbine wird nun aber ein absolut widersinniges, absurdes Verfahren angewendet: die Spaltung von Atomkernen.

Dampferzeugung durch erdfremden Produktionsprozess

Es ist ein Vorgang, der erdfremd und lebensunverträglich ist. Eigentlich ist es ein Produktionsvorgang: Es wird Material produziert, das es so auf der Erde nicht gibt. Das Produkt ist nicht nur absolut unbrauchbar, sondern es ist von höchster Gefährlichkeit. Man muss es isolieren, weit weg schliessen. Vergraben auf Jahrtausende hin. Über hunderte von Generationen hinweg hüten, damit es nicht mit Leben in Berührung kommt und damit es seine zerstörerische Wirkung nicht entfaltet.

Man produziert dieses Höllen-Material, weil beim Produktionsprozess eine (ebenfalls erdfremde und lebensunverträgliche) gewaltige Hitze entsteht. In Hiroshima und Nagasaki wurde diese Hitze bewusst freigesetzt und sie zeigte ihr riesiges zerstörerisches Potential.

Punktuelle Nutzung eines Bruchteils der beim Produktionsprozess anfallenden Hitze.

Diese gewaltige Hitze, wie sie sonst nur auf der Sonne in einer Entfernung von rund 150 Millionen Kilometern vorkommt, versucht man nun zu „zähmen“, herunter zu kühlen, um mit einem kleinen, erdverträglichen und lebensverträglichen Teil davon die Dampfturbine anzutreiben. Es ist zwar eindrücklich, dass man das kann, jedenfalls wenn nicht ein Erdbeben kommt wie in Fukushima oder ein Unfall passiert wie in Tschernobyl und an vielen anderen Orten. Aber ist alles, was möglich ist, auch sinnvoll? Man reduziert die Hitze also zu einem vergleichsweise kleinen „Puff“, den man während einigen Jahre am Laufen erhält – vielleicht während 25 Jahren oder wenn man es hinzieht geht es vielleicht auch 50 oder 60 oder 80 Jahre – und dafür setzt man eine solche Maschinerie des Kühlens und Abschottens in Gang und bürdet den nächsten Generationen ein Produkt zum Hüten auf, das für ihr Leben eine dauernde potentielle Gefahr ist.

Getrieben vom Energiewahn ist auch das Verrückteste gut.

Wie blöd muss man sein, so etwas zu tun! Wie kurzsichtig! Wie egoistisch! Wir sind nur auf das Jetzt bezogen, auf diesen Moment. Wir sind geblendet vom Energiewahn, vom Wahn, dass einzig unbegrenzte Verfügbarkeit von immer mehr Energie uns die Lebensqualität gewährleisten kann. 

Fazit

AKWs sind vom gesunden Menschenverstand aus gesehen eine absurde Idee. Was macht man da, um kurzzeitig etwas zu gewinnen, das man als nützlich und notwendig einstuft?
AKWs sind gegenüber den nachfolgenden Generationen verbrecherisch. Sie sind eine unzumutbare Bürde, es ist ein unverantwortliches, blind-egoistisches Verhalten. 
AKWs sind vom Wirksamkeitsgrad her absolut ineffizient. Was wird da in Gang gesetzt an gewaltigen Vorgängen? Wirklich genutzt wird nur punktuell und  kurzzeitig ein Bruchteil vom ganzen Prozess, und dieser hat aber Folgen, die über Jahrtausende andauern.

Es geht um Energiehoheit. Es geht um Verfügungsmacht. Es geht um Nukleokratie

Warum wird die Notwendigkeit von AKWs trotzdem postuliert? Meine Antwort: Es geht um Macht. Es geht um die Energie-Hoheit. Es geht um die Frage, wer die Verfügungsmacht über dieses die Wirtschaft und das gesellschaftliche Leben steuernde Element hat. Bei dezentralen, lokal organisierten Gemeinschaften, die ihre Energie  nachhaltig, mit erneuerbaren Mitteln produzieren, mit Sonne, Wind und Wasser, da gehört die Energie den Menschen. Sie sind – ein Stück weit wenigstens – autonom. Mit Atomanlagen gewinnen die wirtschaftlich Mächtigen die Hoheit zurück, die ihnen durch den Bedeutungsverlust der fossilen Energien zu entgleiten droht. Mit ihrem Geld können sie eine neue zentralisierte Energieproduktion einrichten. Sie haben damit weiter die Verfügungsmacht über die Energie und sie haben die Steuerungsmacht über die Gesellschaft. Um das geht es bei der Forderung nach neuen AKWs. Die Fossilokratie (Claudia Kemfert, Energieökonomin) ist stark angefochten. Sie soll durch ein Stück Nukleokratie ergänzt werden (Begriffsverwendung in Anlehnung an den Historiker Fabian Lüscher in: Schöpfer einer strahlenden Zukunft. Lebenswelten der sowjetischen „Nukleokratie“ im internationalen Umfeld). Zu was für einem Preis, das ist für die wirtschaftlich Mächtigen irrelevant. Denn der Preis wird ja nicht von ihnen bezahlt, sondern von allen anderen, vor allem aber von den zukünftigen Generationen. 

Kolonialisierung der Zukunft

Diese Bemächtigung der zukünftigen Generationen ist Ausdruck einer durch und durch kolonialistischen Grundhaltung. Alles was ist, ist da zur Ausbeutung. Auch die Zukunft. Diese ausbeuterische Kolonialisierung sogar noch der Zukunft darf nicht sein.


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